Violine

 

 

Die Violine oder Geige ist ein aus verschiedenen Hölzern gefertigtes Saiteninstrument. Ihre vier Saiten werden mit einem Bogen gestrichen (Streichinstrument). In der Tradition der klassischen europäischen Musik spielt die Violine eine eminent wichtige Rolle, fast alle Komponisten haben ihr einen wichtigen Teil ihres Schaffens gewidmet, einige waren sogar selbst Geiger, zum Beispiel Bach, Haydn oder Mozart.

Die Bezeichnung Violine bedeutet eigentlich „kleine Viola“, die Herkunft des Wortes Geige ist strittig, es könnte von einem lautmalerischen „gig“ kommen, das (ähnlich wie in „gickeln“ oder „kiecksen“) die helle Klangfarbe beschreibt. Das Wort „geigen“ für „hin- und her bewegen“ hat sich aber erst aus dem Instrumentennamen entwickelt.


Funktionsweise:

Die Violine ist mit vier Saiten im Quintenabstand (g - d’ - a’ - e’’ ) bespannt, die am unteren Ende des Korpus am Saitenhalter, am oberen Ende des Halses auf Wirbeln im Wirbelkasten befestigt sind. In der Mitte des Korpus drücken die Saiten den hölzernen Steg auf die Decke, wodurch die Schwingungen der Saiten auf den Korpus übertragen werden.

Die Violine ruht auf dem linken Schlüsselbein und wird leicht von der linken Hand des Geigers gestützt; die linke Hand greift die Saiten, die rechte Hand den Bogen, mit dem die Saiten gestrichen werden.

Auf dem Griffbrett befinden sich keine Bünde. Daher muss der Violinist, um den Ton einer Saite zu erhöhen, die niederzudrückende Stelle genau treffen. Mit der Technik des Doppelgriffs können mehrere Saiten zugleich gestrichen werden und es ist möglich, mehrstimmig zu spielen.

Es gibt neben dem Streichen andere Techniken, die Saiten zum Schwingen zu bringen: Durch Zupfen (pizzicato oder pizz.) oder Schlagen mit harten oder weichen Gegenständen sowie den Ort der Anregung kann die Klangfarbe weitreichend beeinflusst werden. An der Violine kann ein Dämpfer angesetzt werden (sordino) oder es wird ein Flageolett gespielt, indem die Finger der linken Hand an bestimmten Stellen nur leicht auf die Saite gelegt werden, wodurch sie flötenartig klingt. Die Stärke der Anregung bestimmt die Lautstärke. Durch Hin- und Herbewegen des Fingers bzw. des Handgelenkes lässt sich ein Vibrato des Tons erzeugen.

Geschichte:

Vorläufer der Violine stammen aus dem spanisch-maurischen Raum im 8. Jahrhundert. Als weiterer Vorläufer ist das Rebec bis ins 16. Jahrhundert gespielt zu nennen. Die bis heute im Wesentlichen unveränderte Form der Violine ist seit etwa 1540 gebräuchlich.

Die erste urkundliche Erwähnung der Violine erfolgte um 1523, als in Turin am Hofe des Herzogs von Savoyen "les trompettes et vyollons de Verceil" (Trompeten und Violinen aus Vercelli) ein Honorar erhielten.
Erste Abbildung einer Violine ist eine violinspielende Putte auf dem Altarbild in der Kirche S.Cristoforo in Vercelli.
Bekannte Geigenbauer in Italien: Andrea Amati, Nicola Amati, Guarnerius del Gesu, Antonio Stradivarius.
In Frankreich war es vor allem Jean Baptiste Vuillaume bekannt, dessen Kopie einer Guarneri-Geige im Kasten rechts oben zu sehen ist.
Nördlich der Alpen: Jakobus Stainer aus Absam, die Familien Klotz aus Mittenwald und die Familien Fichtl aus Füssen.

Im Laufe der Zeit unterlag die Violine einigen baulichen Veränderungen, die sich auf den Klang auswirkten. Die Bauformen des 19. Jahrhunderts haben einen längeren und schräger angesetzten Hals und einen stärkeren Bassbalken als die Violinen in der alten Mensur. Dank längerer Saiten und dem nunmehr gestreckt-konkaven Bogen erhöhte sich die Lautstärke und entsprach somit den immer größer werdenden Konzertsälen und Orchestern. Seit Beginn der 1950er Jahre kehrte man jedoch für die Aufführung Alter Musik zu den ursprünglichen Bauformen zurück, um eine historische Aufführungspraxis zu ermöglichen.

Der industrielle Geigenbau hatte in Japan seinen Ursprung durch Masakichi Suzuki (1859-1944), dem Vater des berühmten Violinpädagogen Shinichi Suzuki. Der Betrieb beschäftigte bereits nach kurzer Anlaufzeit über 1000 Mitarbeiter und stellte innerhalb eines Monats bis zu 400 Violinen und 4000 Bögen her.


Verwendung in der Musik:

Die Violine ist mit der Entwicklung der „abendländischen“ Musik eng verbunden und wurde dementsprechend reich mit Literatur beschenkt. Im folgenden kann nur ein kurzer Abriss über ihre vielfältigen Aufgaben gegeben werden:


Solistisch:

Wichtige Werke für Solovioline (ohne Begleitung) gab es in der Barockzeit zuhauf, erwähnenswert sind hier als Komponisten vor allem Biber, Telemann und Bach. Hier wurde vor allem mit Doppelgriffen die Möglichkeit ausgereizt, auf einer Geige mehrere Stimmen klingen zu lassen. In der Klassik und Romantik war diese Gattung (ebenso wie Solowerke für andere Instrumente, abgesehen von Klavier oder Orgel) weniger verbreitet, im 20. Jahrhundert erlebte sie mit Kompositionen von Bartók, Stravinsky oder Hindemith eine neue Verbreitung.

Aus der im Barock sehr beliebten Sonate für Violine und Generalbass entwickelte sich bei Joseph Haydn die Violinsonate mit Klavier. Hier, wie auch in den frühen Sonaten von Mozart war die Geige zunächst als Begleitinstrument konzipiert, mit der Zeit aber wuchs ihre Bedeutung, doch auch bei den späteren Sonaten von Beethoven, Schubert, Brahms oder Debussy ist das Klavier gleichwertiger Partner, weshalb diese Gattung eher zur Kammermusik gerechnet werden muss.

Die ersten Violinkonzerte entwickelten sich zunächst aus dem zeitweisen Hervortreten des Konzertmeisters aus dem barocken Streichorchester (Siehe auch: Concerto grosso). Bald entstanden die ersten als solche deklarierten Violinkonzerte, wie jene von Vivaldi, Bach oder Händel. Alle drei großen Wiener Klassiker schrieben Violinkonzerte, ebenso die wichtigen romantischen Meister (Mendelssohn, Schumann, Brahms oder Bruch) und auch viele spätere Komponisten wie Schönberg, Berg oder Stravinsky. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch einige Werke für Solovioline mit Orchesterbegleitung komponiert, die formal freier waren und sich von der reinen Konzert-Gattung abheben wollten, wie die „Symphonie espagnole“ von Lalo oder Ravels Zigeuner-Rhapsodie „Tsigane“.

Kammermusik:

Kaum ein Werk der Streicher- oder gemischten Kammermusik kommt ohne Geige(n) aus: Die wichtigsten Gattungen sind Violinsonate, Streichtrio, Klaviertrio, Streichquartett, Klavierquartett, Streichquintett, Streichsextett


Orchester:

Im Orchester gibt es seit der Barockzeit (wie im Streichquartett) zwei verschiedene Violinstimmen, die aber zumeist chorisch, also mehrfach besetzt sind: In einer groß besetzten romantischen Sinfonie können durchaus 24 erste und 20 zweite Geigen, oft sogar mehr, mitspielen. Beide Gruppen werden dabei üblicherweise von einem oder zwei Stimmführer(n) am vorderen Pult geleitet. Ganz vorne in der ersten Geigengruppe sitzt der Konzertmeister, der manchmal Soli zu spielen hat und eine besondere Verantwortung für das ganze Orchester trägt.


Jazz, Band, Crossover:

Auch in der neueren Unterhaltungsmusik spielt die Geige eine wichtige Rolle: Im Tango-Orchester ebenso wie in Zigeuner-Kapellen oder in manchen Jazz-Formationen (Stephane Grapelli, Joe Venuti). Viele modernen Geiger machen, ob aus musikalischem oder finanziellem Interesse, Ausflüge in Crossover-Projekte (Nigel Kennedy, Anne-Sophie Mutter)