Klarinette

 

 

Die Klarinette ist ein transponierendes Musikinstrument aus der Familie der Holzblasinstrumente. Sie hat eine vorwiegend zylindrische Bohrung und ist mit einem Mundstück mit einfachem Rohrblatt ausgestattet.

Obwohl die Klarinette ein Holzblasinstrument ist (normalerweise aus Grenadill-, Buchsbaum- oder Ebenholz), gibt es auch Klarinetten aus Metall und aus Kunststoff. Sie besteht aus fünf Einzelstücken: Mundstück, Birne, Oberstück, Unterstück und Trichter oder auch Becher genannt. Das Mundstück der Klarinette ist gewöhnlich aus Kunststoff (Hartgummi oder Acryl), seltener aus Holz. Es gibt aber auch Glas- und sogar Metallmundstücke. Der eigentliche Tonerzeuger ist das "Blatt", das auf das Mundstück befestigt wird. Es ist fast immer aus Rohrholz (Pfahlrohr, lat. Arundo donax), da Kunststoffe derzeit noch nicht zu einem ausgezeichneten Klang führen. Zur Befestigung werden Metallhalter, Bänder oder auch Schnüre verwendet.

Das zweite Register der Klarinette überbläst in die Duodezime (zwölf Töne über dem Grundton), was ihr einen großen Tonumfang beschert. Das dritte Register überbläst zwei Oktaven und eine Terz. Der gesamte Tonumfang beträgt mehr als 3 Oktaven.

Das "Klarin" im Namen bedeutet schrill, dies bezieht sich aber lediglich auf die hohen Register dieses Instruments. Andere Deutungen führen den Namen des Instruments darauf zurück dass es als Ersatz für die schwer zu blasenden mittelalterlichen Trompeten (Clarin genannt) gedacht war. Klarinettenspieler nennt man auch Klarinettisten.


Verwendung:

Die Klarinette ist seit Mozart fester Bestandteil der Bläsergruppe in klassischen Orchestern. Sie wird dort für Verzierungen und Soloeinwürfe benötigt. Die Klangfarbe ist sehr lieblich. Verwendet wird im Orchester hauptsächlich der mittlere Tonbereich. Es gibt auch eine reiche Literatur an wunderbaren Klarinettenkonzerten, das bekannteste dürfte das "Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622" von Wolfgang Amadeus Mozart sein. Auch Carl Maria von Weber und Mitglieder der Stamitz-Familie schrieben bekannte und bis heute häufig aufgeführte Klarinettenkonzerte.

In Blasorchestern und Militärkapellen wird die Klarinette für schnelle Solopassagen verwendet. In Blasmusikbearbeitungen symphonischer Werke übernehmen die Klarinetten häufig die Geigenstimmen. Die Klarinette spielt dort weitgehend in ihrem oberen Tonbereich, in dem sie sich leicht von den anderen Instrumenten abhebt.

Im Jazz ist die Klarinette aus der Mode gekommen und wurde durch das Saxophon verdrängt. Im Dixieland Jazz war sie üblich für schnelle Passagen. Im Swing war sie auch Soloinstrument, entweder hoch spielend oder durch Mikrophon verstärkt.

Im Klezmer und der osteuropäischen Volksmusik findet die Klarinette reiche Verwendung als Solo- oder Begleitinstrument.



Bauformen:

Typ Bemerkung Tonumfang Notierung
As-Klarinette sehr selten, früher höchste Klarinettenstimme v.a. in der italienischen Blasmusik, heute durch die Es-Klarinette ersetzt.    
G-Klarinette "Picksüsses Hölzl" ausschließlich im Wiener Schrammlquartett (Violine, G-Klarinette, Kontragitarre, Wiener Akkordeon)    
Es-Klarinette hohe, durchdringende Klarinette in Blaskapellen, böhmisch-mährische Volksmusik, aber auch im Symphonieorchester (Berlioz, Mahler, Strauss etc.)    
D-Klarinette selten, Klarinettenkonzert in D-Dur von Johann Melchior Molter    
C-Klarinette im 19. Jh. noch weit verbreitet (Beethoven, Schubert, Symphonien und Kammermusik; Rossini, "Il Barbiere di Siviglia", Strauß), wird heute üblicherweise durch die B-Klarinette ersetzt, was dazu führt, dass aus C-Stimmen transponiert, d.h. vom Blatt einen Ganzton höher, gespielt werden muss. Standardübung für einen Orchesterklarinettisten.    
B-Klarinette gebräuchlichste Bauform, klassische Musik, Jazz, Volksmusik (Alpenländer, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Balkanländer, Griechenland). d - b’’’ große Sekunde höher.
A-Klarinette notwendiges zweites Instrument im klassischen Orchester cis - a’’’ kleine Terz höher
Bassettklarinette in A ursprünglich verwendet für die Uraufführung Mozarts Klarinettenkonzerts, geriet in Vergessenheit (die tiefsten Passagen wurden später nach oben oktaviert), heute wieder in Verwendung (Sonderanfertigung) neuere Einspielungen v.a. durch Sabine Meyer.    
Bassetthorn in F von Mozart heiß geliebt (wegen der seiner Meinung nach großen Ähnlichkeit zur menschlichen Stimme) und verwendet z.B. in seinem Requiem, einigen seiner Opern, oder Kammermusik (KV 229, 439) erlebt heute eine Renaissance in der neueren Quartettliteratur für Klarinette (2 B-Klarinetten, Bassethorn in F und Bassklarinette in B) v.a. "Vienna-Clarinet-Connection"    
Altklarinette in Es verstärkt das tiefe Klarinettenregister v.a. im Blasorchester.    
Bassklarinette in B und A Symphonieorchester ab R. Wagner, vermehrt ab 20. Jh., Respighi, Strauss, Bernstein, Poulenc u.a.(A sehr selten, ) auch verwendung im Jazz (Louis Sclavis, Anthony Braxton, John Surman).   Violinschl, B, selten Bassschl.
Kontra-Altklarinette in Es selten, hauptsächlich im Blasorchester    
Kontra-Bassklarinette in B sehr selten, Blasorchester    
Subkontra-Altklarinette in Es sehr sehr selten    
Subkontra-Bassklarinette in B sehr sehr sehr selten    
Chalumeau Vorläufer der Klarinette    

weitere Bauformen: Steinklarinette, Vierteltondoppelklarinette, Vierteltonklarinette, Blechklarinette.

 

Griffsysteme:

International hat sich das so genannte Französische oder Boehm-System durchgesetzt, in Deutschland (und anderen deutschsprachigen Ländern) ist das Deutsche oder Müller-System verbreitet. Neben Unterschieden in der Griffweise benutzt das Boehmsystem ein Mundstück mit weiterer Öffnung und ein breiteres Blatt. Dadurch ist der Klang der Boehm-Klarinette flexibler, obertonreicher. Der Klang der Deutschen Klarinette wirkt reiner und wärmer. Da jedoch das Mundstück, das Blatt, und hauptsächlich der Spieler wesentlich zum Klangergebnis beitragen, kann natürlich auch auf Boehm-Klarinetten ein sehr reiner Klang erzeugt werden. In Österreich findet sich wie in Deutschland das deutsche Griffsystem, wobei es hier deutliche Unterschiede bezüglich der Mundstücke und Blätter gibt. Die Zusammenarbeit des Wiener Philharmonikers Rudolf Jettel mit dem tiroler Instrumentenbauer Othmar Hammerschmidt trug ebenso zur Legendenbildung bei wie die des Berliner Philharmonikers Karl Leister mit der Firma Wurlitzer (hier mögen die Kollegen aus Deutschland ergänzend wirken).

Die Diskussionen über "den" Klarinettenton könnten Bücher füllen, jedenfalls füllen sie Abende, wenn sie von Klarinettisten geführt werden (was im Dunstkreis der vielen Ausbildungsstätten der westlichen Welt nach Konzerten und Klassenabenden z.T. bis in die frühen Morgenstunden gepflegt wird).

Die Grifftechnik der deutschen Klarinetten ist etwas näher an modernen Saxophonen. Typisch sind vor allem Rollverbindungen zwischen Klappen. Das Boehm-System kommt ohne Rollverbindungen aus. Es vermeidet einige Gabelgriffe und kommt daher Anfängern entgegen. Die Unterschiede sind jedoch im Endeffekt nicht relevant.

Es gibt traditionell starke Verfechter des einen oder anderen Systems. Es gibt klassische Spitzensolisten mit dem einen und dem anderen System. Innerhalb nicht-klassischer Musik, insbesondere dem Jazz, ist das Boehmsystem stärker verbreitet als das deutsche System.