
Die Kantele ist ein traditionelles finnisches Zupfinstrument. Sie besteht in der klassischen Form aus einem flügelförmigen Resonanzkörper aus Holz und fünf pentatonisch gestimmten Rosshaarseiten. Moderne Kantelen haben bis zu 36 Drahtsaiten, die während des Spiels mit Hilfe eines Hebelsystems um einen Halbton höher oder tiefer gestimmt werden können. Das Instrument wird - ähnlich wie die Zither - auf dem Schoß oder auf einem kleinen Tisch liegend mit den Fingern gespielt. Teilweise wird auch ein Plektrum
genutzt. Die Kantele kann man auf zwei Arten spielen: die meisten Spieler haben die langen Saiten vor sich liegen (Haapavesi-Stil), während Spieler mit stark traditionellen Wurzeln die kurzen Saiten zu sich gewendet haben (Perhojoki-Stil oder auch Perhojoenlaakso-Stil). Die Stilarten sind nach den Orten Haapavesi und Perhojoki genannt, zwei Zentren der Volks- und
Kantelemusik. Im finnischen Nationalepos Kalevala fertigt der alte Zaubersänger Väinämöinen aus dem Kiefer eines gigantischen Hechts die erste Kantele. Als er sie spielt, kommen alle Tiere des Waldes herbei und lauschen; die Menschen lassen ihre Arbeit ruhen und sind
ergriffen. Nah verwandte Instrumente gibt es unter anderen Namen im gesamten baltischen Raum, so z.B. als Kannel in Estland, Kokle in Lettland, Kakles in Litauen sowie als Gusli Nordwest-Russland.