
Das Akkordeon, auch Ziehharmonika, Ziehorgel, Handorgel, Handharmonika oder Schifferklavier genannt, ist ein Handzuginstrument. Die heutzutage am weitesten verbreitete Bauform ist das Piano-Akkordeon, ein Tasteninstrument mit einer Klaviatur für das Spielen der Melodie (rechte Hand) und Knöpfen für das Spielen der Bässe (linke Hand), recht bekannt ist auch das so genannte Knopfgriff-Akkordeon, das links und rechts Knöpfe besitzt.
Aufbau:
Auf der rechten wie auf der linken Seite gibt es die Möglichkeit die Klangfarben durch zuschalten von bis zu fünf Chören stark zu variieren.
Für die linke Hand gibt es unterschiedliche Konstruktionen. Unter Manual II (MII oder auch als Standardbass bezeichnet) versteht man die Anordnung der Basstöne in Quinten in vertikaler Richtung und mit den am häufigsten gebrauchten Dur-, Moll-, und Septakkorden in horizontaler Anordnung. Der Tonumfang ist hier auf eine Oktave beschränkt.
Im Gegensatz dazu verfügt der MIII-Bass (auch Melodiebass) nicht über Akkordknöpfe, hat dafür aber einen Tonumfang bis 5 Oktaven und ermöglicht dadurch das tonhöhenrichtige Melodiespiel. Das Manual III ist auf den meisten Instrumenten dem MII vorgelagert oder hintergelagert zu finden, andere Modelle ermöglichen es durch Umschalten MII oder MIII auf den selben Knöpfen zu spielen (so genannte
Convertor).
Literatur:
Die Akkordeonliteratur konnte
sich entsprechend des noch jungen Instrumentenalters erst im 20. Jahrhundert entwickeln. Inzwischen existiert eine große Palette zeitgenössischer Werke aller Genres und Schwierigkeitsgrade in unterschiedlichen Besetzungen vom Solo bis zur Integration in sinfonische Klangkörper. Gleichzeitig wurden durch eine Fülle von Transkriptionen auch die vor der Erfindung des Instruments datierenden musikalischen Epochen erschlossen.
Deutscher Harmonikaverband:
Der deutsche Harmonikaverband
e.V. ist mit 120.000 Aktiven einer der größten deutschen Laienmusikverbände. Die meisten der Mitglieder sind in Vereinen organisiert, die neben der Aus- und Weiterbildung der Spieler auch einen Orchesterbetrieb und regelmäßige Veranstaltungen aufrechterhalten. Herausragende Orchester, die auch bei internationalen Wettbewerben immer wieder erfolgreich abgeschnitten haben, finden sich zum Beispiel bei den Mitgliedsvereinen in Baltmannsweiler, Bruchsal, Nürnberg, Köln, Trossingen und Schwäbisch Gmünd.
Hochschulen:
An den Hochschulen konnte sich das Instrument vor allem in der zeitgenössischen Kammermusik etablieren. Mehrere Institute in Deutschland - unter Anderem in Trossingen, Freiburg im Breisgau, Berlin, Hannover und Nürnberg - bieten entsprechend spezialisierte Studiengänge (KA, KP, Komposition, Lehramt) an. Eine Sonderstellung nimmt zweifellos das Hohner-Konservatorium Trossingen (nicht zu verwechseln mit der Musikhochschule am gleichen Ort) ein, wo unter anderem Dirigenten am aus den Mitstudierenden zusammengesetzten Akkordeonorchester ausgebildet werden.
Hersteller:
Zu den bedeutendsten deutschen Akkordeon-Herstellern gehört die Matthias-Hohner AG in Trossingen. Ihre Spitzenmodelle der Serien "Morino" und "Gola" sind auf der ganzen Welt begehrt und geschätzt. Weitere Herstellerfirmen sitzen in Klingental (z.B. Harmona), Italien (es gibt ca. 50 Akkordeonbauer alleine in Castelfidardo - bekannte Namen sind hier Pigini, Bugari, Guerrini, ...) und in einigen ehemaligen Ostblockstaaten (Weltmeister, Jupiter, ...).