Vereins-Chronik

(aus dem 100-jährigen Jubiläumsheftchen)

 

Wenn man in einer stillen Stunde in der Chronik unseres Vereins blättert, so wird man feststellen, welche unruhigen Jahre unser Verein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durchleben musste. Dabei begann es beim Musikverein Großrosseln ganz gemütlich, sozusagen in der „guten alten Zeit". Im Jahr 1902 nämlich fanden sich junge Musikfreunde zur Gründung eines Vereins zusammen, wobei die Initiative hierzu ganz besonders vom damaligen Dirigenten Johann Bohlander ausging. Er scharte engagierte Musikfreunde um sich, die zusammen in einem Orchester musizieren wollten.

 

 

Diese ersten Musiker bei der Gründung waren v.l.n.r.: Michel Michels, Johann Bohlander, Nikolaus Kühn, Heinrich Willkomm, Julius Willkomm und Philipp Bohlander.


Sie gaben dem Musikverein den Namen "Eintracht". Bereits im Gründungsjahr 1902 war der Verein so aktiv, dass er sich an die Ausrichtung des ersten Musikfestes wagte. Es fand im Schlauchstal statt, wobei berichtet wird, dass damals schon 24 Musiker dem Orchester angehörten. Dirigent Johann Bohlander verstand es, das Orchester in kurzer Zeit auf über 30 Musiker zu bringen. Viel Zeit widmete er den Jugendlichen, die er selbst ausbildete. So sicherte er dem Verein einen guten Nachwuchs. Aus der Chronik und von Bildern sind uns die Namen der Musiker dieses ersten Orchesters bekannt, 


v.u.n.o. v.l.n.r.:

Felix Michels, Philipp Bohlander, Adolf Hoffmann, Franz Haser, Johann Bohlander, Valentin Bohlander, Peter Roth, Julius Willkomm, Bernd Michel, Adolf Seewald, Johann Jung, Johann Buchleitner, Heinrich Willkomm, Matthias Hauer, Albert Brück, Michel Kindel, Johann Lorsong, Nikolaus Schmidt, Peter Genvo, Daniel Willkomm, Adam Lorsong und Peter Schuler

 

Wenn am Anfang davon gesprochen wurde, dass unsere Geschichte in den Gründerjahren sehr unruhig war, so wurde die jetzt im Musikverein Großrosseln anlaufende positive Entwicklung durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Viele Musiker wurden eingezogen, wobei stellvertretend für alle Kameraden, die ihr Leben für ihr Vaterland gaben, die Musiker Adolf Hoffmann und Franz Haser genannt werden sollen.


Glücklicherweise kehrten einige Musiker unversehrt aus dem Krieg zurück. Nach Ende des Ersten Weltkrieges konnte ein Teil von ihnen das begonnene Werk fortsetzen. Der im Altenheim St. Josef in Völklingen lebende, 89jährige Zeitzeuge Wilhelm Kühn berichtete uns am 14.04.2002 folgendes:


Mein Onkel Peter Kühn, damals Vorsitzender des Musikvereins Eintracht, strebte die Vereinigung mit dem kurz zuvor gegründeten Musikclub Großrosseln an, da beide Orchester alleine nicht überlebensfähig waren. Von ihm kam auch der Vorschlag für die Namensgebung "Rheingold", der von allen akzeptiert wurde. Weiter berichtete uns Wilhelm Kühn, dass 1927 ein Wertungsspielen in Ludwigshafen stattfand, an dem unser Orchester mit 13 Musikern teilnahm (viele waren verhindert aus beruflichen oder finanziellen Gründen) und mit dem Vortrag der Ouvertüre "Dichter und Bauer" den zweiten Platz belegte. Das Urteil eines Wertungsrichters war: ein kleiner Verein aber sehr fein. Die erfolgreichen Musiker wurden bei der Rückkehr von der Bevölkerung am Lokal "Zur Waldeslust", den Einheimischen besser bekannt als "Hoch Trepp", empfangen und in einem Umzug durch das Dorf geleitet.


Die musikalische Leitung dieses neuen Rheingold-Orchesters übernahm der erste Eintracht-Dirigent von 1902 Johann Bohlander. Peter Kühn ist damit der erste erwähnte Vorsitzende in unserer Vereinsgeschichte. Er wurde von Richard Krabiell 1929 abgelöst. 1934 übernahm Richard Krabiell auch den Dirigentenstab bis 1936. Gerade die Familie Krabiell, aus der im Laufe der folgenden Jahrzehnte fünf Musiker kamen, ist ursächlich mit der Geschichte des Musikvereins verbunden. Richard Krabiell war auch der erste in der Vereinsgeschichte erwähnte Ehrenpräsident.
Ständchen, Konzerte und öffentliche Auftritte gehörten damals schon zum Jahresprogramm des Musikvereins, der einen festen Platz im Reigen der Rosseler Ortsvereine besaß und auch viel Ansehen genoss. Doch in der ersten Hälfte des zurückliegenden Jahrhunderts war diese ruhige Entwicklung nur ein Trugbild, denn schon wieder ballten sich am Horizont dunkle Wolken zusammen.

 


Der aufstrebende Verein litt sehr darunter, dass viele Musiker den damaligen Formationskapellen eingegliedert wurden. Ab 1936 gelangte die Stabführung in die Hände des jungen Musiklehrers Adam Lorsong, dem der Musiker Heinrich Zech als Vorsitzender zur Seite stand.

 

Heinrich Zech wurde in der Generalversammlung am 17.01.1956 zum Ehrenmitglied ernannt Nur noch wenige Jahre der ruhigen Entwicklung erlebte der Musikverein, dessen gesamtes Vereinsleben während des 2. Weltkrieges ruhte.
Doch nach einem Tief gibt es auch wieder ein Hoch, denn schon kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit mit folgenden Mitgliedern:

 

 

Peter Kessler hatte 23 Jahre lang das Amt des 1. Kassierers des Musikvereins inne. Jakob Seyler wurde zum Vorsitzenden und Hans Koch zum Dirigenten gewählt.


Dank des unermüdlichen Einsatzes dieser Vereinsmitglieder vollzog sich abermals ein schneller Aufstieg. Leider war es dem Dirigenten Hans Koch nicht lange vergönnt, die Stabführung zu halten. Nach einem schweren Unfall war er gezwungen, die musikalische Leitung des Orchesters an unseren heutigen Ehrendirigenten Albert Müller abzugeben.
Mit großem Elan ging Albert Müller an diese Aufgabe heran und führte den Verein zu manchem Musikfest, vielen Konzerten und Ständchen und auch zu mancher Kameradschaftsveranstaltung, die beim Musikverein Großrosseln natürlich wie bei allen Vereinen sehr beliebt waren.


Im Jahre 1950 übernahm wieder der vor dem 2. Weltkrieg langjährige erste Vorsitzende Richard Krabiell für ein Jahr den Vereinsvorsitz. In der Generalversammlung am 11.02.1951 wurde erneut Jakob Seyler an die Vereinsspitze gewählt.

 

1951 im Vereinlokal Wernet-Trenz:


v.l.n.r. stehend: Mathias Zwer, Reinhold Krabiell, Fritz Kolbenschlag, Karl Krabiell, Hans Schillo, August Krabiell, Albert Müller
sitzend: Jakob Jung, Jakob Seyler, Heinrich Zech, Peter Kessler

 

Das erste Vereinsjubiläum, 50 Jahre Musikverein Großrosseln, wurde am 14. und 15. Juni 1952 gefeiert. Der Festzug begann in der Ludweilerstraße und endete in der Emmersweilerstraße am Gasthaus Rock-Schwarz. Die zahlreichen, befreundeten Musikvereine und Ortsvereine wurden von Philipp Bohlander, Gründungsmitglied aus dem Jahr 1902, begrüßt. In einer Chronik von Johann Lips kann man lesen, dass die Bestuhlung in der Gartenanlage des Lokales nicht ausreichend war, weil sich so viele Menschen an dem Fest beteiligten.


1952 trat der Musikverein als Sparte Musik in die schon bestehende Kulturgemeinde ein. In der Gründungsversammlung am 07.09.1952 wurde Jakob Seyler als Vorsitzender der Sparte Musik gewählt. Damals wurde auch erstmals ein stellvertretender Vorsitzender gewählt. Es war der Musiker Reinhold Krabiell. Am 27.01.1952 wurde Hans Koch wieder für ein Jahr Dirigent. In der Generalversammlung am 06.02.1955 wurde Reinhold Krabiell zum 1. Vorsitzenden und Jakob Seyler zu seinem Stellvertreter gewählt. Aus alten Schriftstücken geht hervor, dass Reinhold Krabiell ein sehr beliebter Vorsitzender und Musiker war.
Mitten in den Vorbereitungen zum 55jährigen Jubiläumsfest starb der Tenorhornist und Vorsitzende Reinhold Krabiell im Alter von nur 33 Jahren. Sein Nachfolger wurde Jakob Seyler. Auch in der musikalischen Leitung wurde ein Wechsel vollzogen. Nachdem Albert Müller neun Jahre lang das Orchester geführt hatte, übergab er den Taktstock aus beruflichen Gründen an seinen Stellvertreter Hermann Seewald. Die Stabführung lag damit in den Händen eines allseits bekannten Musikers, unter dessen Leitung das Orchester zum 55jährigen Jubelfest schritt. Das Fest fand vom 22. bis 24. Juni 1957 auf dem heutigen Aldi-Gelände statt. Mit von der Partie war damals schon Johann Lips als Schriftführer, dessen besonderem Einsatz es zu verdanken war, dass insgesamt 23 Musikvereine zu diesem großen Jubiläumsfest nach Großrosseln kamen. Gerade dieses Fest gab dem Verein weiteren Auftrieb und sicherte ihm zugleich einen vorderen Platz im Reigen der Ortsvereine.
Am 31.01.1958 übernahm Walter Tibo die Leitung des Orchesters. Unter seiner Stabführung und sicherlich in der Tatsache begründet, dass er als Kreisdirigent des Musikkreises Saarbrücken des 1955 gegründeten Bundes Saarländischer Musikvereine (BSM) über große musikalische Erfahrung verfügte, blühte der Verein weiter auf. Den Vorsitz des Vereins führte vom 19.01 .1958 bis 24.01 .1960 Karl Krabiell. Sein Stellvertreter war Gerd Kurtz.


Am 21.09.1958 nahm unser Verein wieder an einem Wertungsspielen des BSM teil. Das Wertungsspielen fand in Püttlingen statt. Unserem Orchester wurde in der Mittelstufe das Prädikat "sehr gut" zugesprochen Im Jahr 1961 verstarb unser erster Ehrenpräsident Richard Krabiell. Vom 24.01.1960 bis 20.01.1963 übernahm wiederum Jakob Seyler den Vorsitz des Vereins. Mathias Zwer war sein Stellvertreter. Bei genauem Durchlesen unserer Chronik kann man feststellen, dass Jakob Seyler immer da war, wenn Not am Manne war. In der Generalversammlung am 20.01.1963 wurde erzürn Ehrenvorsitzenden ernannt.
Nachfolger von Walter Tibo wurde im April 1960 BSM-Kreisdirigent Nikolaus Ostien, der bis zu seinem Tode am 05.05.1964 das Orchester leitete. Unter seiner Leitung, so darf man ebenfalls mit großer Freude herausstellen, erlebte der Verein Jahre der Blüte und der großen Auftritte, wobei ganz besonders das 60jährige Stiftungsfest verbunden mit dem damaligen Kreismusikfest zu nennen ist. Über 20 Orchester aus allen Teilen des Kreises Saarbrücken fanden sich zu diesem Fest in Großrosseln ein, an dem natürlich die örtlichen kulturellen Vereine ebenfalls beteiligt waren. Das Vereinsjubiläum wurde vom 7 bis 9. Juli 1962 im Festzelt in der Straße "Im Mühlental" gefeiert. 

 

1. Vorsitzender wurde am 20.01.1963 unser langjähriger Schriftführer und Organisationsleiter Johann Lips. Sein Stellvertreter war Gerd Kurtz. Allein über unseren guten Onkel Johann könnte man ein ganzes Buch schreiben, was in dieser Chronik hier unmöglich ist.
v.l.n.r.: Gerd Kurtz, Johann Lips, Gerhard Ulrich, Walter König, an Onkel Johanns 81. Geburtstag 1977

 

Im Jahre 1963 nahm unser Orchester wieder am BSM-Kreiswertungsspielen teil und erreichte in der Mittelstufe unter dem Dirigenten Nikolaus Ostien 117 von 120 möglichen Punkten. Das war ein eindrucksvoller Beweis für die hervorragende Qualität des damaligen Klangkörpers. Im Anschluss an das Wertungsspielen gab unser Orchester noch ein Konzert im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken. Nach dem Tode von Nikolaus Ostien 1964 übernahm der 26jährige Flügelhornist Hans Schillo bis Ende 1968 den Dirigentenstab. Aus beruflichen Gründen musste er seine Heimat Großrosseln verlassen und ließ sich in Reims (Frankreich) nieder, wo er heute noch lebt. Den Vereinsvorsitz übernahm der damals 21jährige Rheingold-Posaunist Dieter Krisam. Er ist damit bis heute der jüngste Vorsitzende in unserer Vereinsgeschichte. Hans Schillo bildete in seiner Zeit als Dirigent viele junge Musiker an verschiedenen Instrumenten aus. Einige von diesen sind heute noch aktiv und haben schon jahrelang verantwortungsvolle Ämter in der Vereinsführung inne. 1964 wurde erstmals eine Jugendwerbeveranstaltung durchgeführt. Unter dem Dirigenten Hans Schillo, dem Vorsitzenden Dieter Krisam und seinem Stellvertreter August Krabiell muss ganz besonders das Fest der Standartenweihe erwähnt werden, das vom 5. bis 7. Juni 1965 auf dem heutigen Gelände des Hundesportvereins am Sumpen statt fand. Unsere Standarte wurde auch von Hans Schillo entworfen und er bemühte sich redlich um die Finanzierung der Herstellungskosten. Hans Schillo wurde in der Generalversammlung am 06.03.1994 zum Ehrenmitglied ernannt. Auch heute noch haben wir regelmäßigen Kontakt zu ihm nach Reims und er besucht oft und gerne unsere Veranstaltungen.


In den Jahren danach übernahm Werner Herrnschmidt den Vorsitz und den Dirigentenstab führte Hans Schmidt aus Klarenthal bis Ende 1970. Um entstandene Lücken im Orchester auszufüllen, ging man mit dem Blasorchester Geislautern im Jahr 1971 eine Vereinigung ein. Doch diese sollte nur von kurzer Dauer sein, denn bereits nach zwei Jahren trennte man sich im Jahr 1972. Herbert Glas, Geislautern, hatte damals die Leitung des Gesamtorchesters übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Aktive Harald Hümbert den Vorsitz der Rosseler Musiker übernommen. Für den junge Vorsitzenden war es nicht leicht, mit nur wenigen Aktiven den Verein drei Jahre lang zu führen. Harald Hümbert ist heute mit 42 aktiven Jahren der am längsten in unserem Orchester aktive Musiker und immer noch mit ganzem Herzen dabei. Daneben ist er als Zeugwart heute auch wieder im Vorstand tätig.


Ab 1971 hatte August Krabiell die musikalische Leitung der Rheingold-Musiker übernommen. Die Nachwuchssorgen des Musikvereins wurden dadurch gelöst, dass der Verein 1974 eine Verbindung mit dem Jugendorchester Großrosseln unter der Leitung von Oberlehrer Werner Gassner und dem Vorsitz von Peter Glock einging. Mit Werner Gassner kam eine große Zahl junger Musiker in den Verein. Dadurch wuchsen gleichermaßen Musikbegeisterung und Leistungsfähigkeit. Leider legte Werner Gassner im Juni 1975 den Taktstock aus der Hand, die Nachwuchskräfte blieben jedoch dem Verein bis heute erhalten. Die musikalische Leitung übernahm nach Werner Gassner der amtierende 2. Dirigent Gerd Kurtz. Johann Lips übernahm nach Peter Glock wieder den Vereinsvorsitz bis zum 75-jährigen Stiftungsfest, das vom 17. bis 19. Juni 1977 auf dem damaligen Kirmesgelände am Sumpen gefeiert wurde.


Am Fest nahmen auch der am 06.01.1974 ernannte Ehrenpräsident des Musikvereins Albert Zimmer und unser damaliger Ehrendirigent Hans Koch teil.


Mit 81 Jahren gab Johann Lips aus Altersgründen 1977 den Vereinsvorsitz ab. 1978 wurde erzürn Ehrenpräsidenten ernannt.

1977 

unten v.l.n.r.: Manfred Hümbert, Harald Hümbert, Bernhard Naumann, Robert Mikac, Johann Lips, Gerhard Ulrich, Roman Kistner, Frank Kurte, August Krabiell 

mitte: Klaus Uwe Wiesen, Joachim Follmer, Dieter Krisam, Wendelin Reichert, Wolfgang Ulrich, Gerhard Späth, Walter König, Thomas Krabiell, Martin Schiffer, Gerd Kurtz 

oben: Ferdinand Reichert, Christine Follmer, Rita Sahner, Claudia Heimer, Anette König, Heidrun Roth, Conny Hümbert, Klaudia König, Gudrun Lohre, Wolfgang Follmer

 

In der Generalversammlung am 20.11.1977 wurde Walter König zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er erlernte das Trompetenspielen im Musikverein Emmersweiler. Im Jahre 1973 trat Walter König in unseren Verein ein und wurde ein echter Rheingolder. Besonders erwähnt werden sollten seine Korrektheit, Zuverlässigkeit Kameradschaftlichkeit, und seine enorme Kommunikationsfähigkeit auch im privaten Bereich. Mit seinen vielen unterschiedlichen Talenten leistet er bis heute dem Verein wertvolle Dienste und ist als Ratgeber ebenso gefragt wie als tatkräftiger Organisator und Helfer. Vielen wird noch heute das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn sie an die köstlichen Erbseneintöpfe denken, die Walter an unseren Vereinsfesten zubereitete.

Durch intensive Proben- und Vorstandsarbeit in der Ära Vorsitzender Walter König und Dirigent Gerd Kurtz erlebte der Verein einen stetigen Aufwärtstrend. Schon zur Tradition geworden waren Veranstaltungen wie das Waldfest, Oster-Konzert, Kirmeskonzert und die seit 1980 durchgeführten Abendkonzerte. Auf Grund der guten musikalischen Leistungen gastierte der Verein 1978 drei Tage in Bad Tölz und 1980 wurde eine 8-tägige Konzertreise an die italienische Riviera unternommen. Beide Veranstaltungen 

fanden bei allen Mitgliedern des Vereins eine gute Resonanz. Sie förderten die Kameradschaft und waren Ansporn zu noch besseren Leistungen. 1979 beteiligten wir uns wieder am Wertungsspielen des BSM und erreichten in der Mittelstufe einen ersten Rang.

 

1982 vor der ev. Kirche in Karlsbrunn 

Im Jahre 1982, als der Musikverein sein 80-jähriges Bestehen feierte, konnten wir uns mit dem bis dahin wohl stärksten Orchester präsentieren. 54 Musikerinnen und Musiker bildeten unter der Leitung von Gerd Kurtz einen eindrucksvollen Klangkörper. Wir feierten das Jubiläum vom 17. bis 20. Juni im Festzelt auf dem ehemaligen Kirmesgelände am Sumpen. Unser Schirmherr war der damalige Ministerpräsident des Saarlandes, Werner Zeyer.
Zu Ostern 1983 wurde der Verein zu einer weiteren Konzertreise an die italienische Riviera eingeladen. Diese erfolgreiche Vereinsarbeit verdanken wir nicht zuletzt dem engagierten Einsatz des damaligen Vorstandes unter dem Vorsitz von Walter König.


Nach neuneinhalbjähriger Tätigkeit musste Gerd Kurtz 1985 aus gesundheitlichen Gründen den Dirigentenstab an seinen Stellvertreter Walter König übergeben. Zuvor trat Hans-Werner Heimer im Amt des Vorsitzenden die Nachfolge von Walter König an. Ein Höhepunkt damals war die Jahresfahrt nach Algund in Südtirol.


Am 8. Februar 1987 wurde Vorsitzender Manfred Prediger in sein Amt gewählt. Die dritte Konzertreise an die italienische Riviera führte der Verein über Ostern 1987 durch. Beim letzten Konzert in Italien fand erneut ein Dirigentenwechsel statt. Aus beruflichen Gründen musste Walter König zurücktreten. Gerd Kurtz übernahm wieder die Leitung des Orchesters.

 

1987 in Italien


In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, u. a. ein 8-stündiges Konzert auf der Campingausstellung in Bexbach, ein Promenadenkonzert in Luxemburg/Stadt, eine Live-Sendung des SR 3 vom Ludwigsplatz in Saarbrücken und eine Reise an den Garda-See mit einem Besuch in Venedig. Ein für alle Teilnehmer wohl unvergessliches Erlebnis war die Konzertreise nach Thüringen im September 1990, also wenige Tage vor dem offiziellen Datum der Deutschen Wiedervereinigung.


Zum Jahresanfang 1991 trennte sich der Musikverein nach insgesamt zwölf-einhalbjähriger Dirigententätigkeit von Gerd Kurtz. Im Januar übernahm der amtierende 2. Dirigent Dirk Rupp die Probenarbeit. Am 19. April 1991 wurde er vom Orchester zum 1. Dirigenten gewählt.


Unter dem jungen Dirigenten Dirk Rupp wurde die Zusammenarbeit mit dem 1990 reaktivierten BSM Musikkreis Saarbrücken aufgenommen. In seiner Funktion als BSM-Kreisschatzmeister knüpfte er enge Kontakte zwischen dem Musikverein und dem BSM-Kreisvorstand, die sowohl finanziell als auch musikalisch zum Vorteil des Musikvereins genutzt werden konnten. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent leistete Dirk Rupp als Vorstandsmitglied wertvolle Dienste. Mit einem Festabend am 23. Mai 1992 in der Warndtburg und einer 4tägigen Festzeltveranstaltung vom 28. bis 31. Mai 1992 auf dem Deutsch-Französischen-Platz feierte der Verein sein 90jähriges Bestehen. Das Orchester wurde rechtzeitig zu diesem Anlass mit neuen Uniformen ausgestattet. Die dunkelroten Jacketts wurden ersetzt durch graue Trachtenjacken mit schwarzer Bestickung. Höhepunkte des attraktiven Programms waren der Auftritt der Big Band der Schutzpolizei des Saarlandes sowie das Kreismusikfest des BSM Musikkreises Saarbrücken. Maßgeblich beteiligt an der Organisation dieses Festes war Walter König als Vorsitzender des Festausschusses. Er brachte seine große organisatorische Erfahrung und Führungsqualitäten, die er schon in den Jahren 1978 bis 1985 als Vorsitzender des Musikvereins unter Beweis gestellt hatte, in die Arbeit des Festausschusses ein.
Nur 14 Tage vor dem Fest trug der Musikverein seinen Ehrenpräsidenten Johann Lips im Alter von 95 Jahren zu Grabe. Johann Lips gehörte über viele Jahre als Vorsitzender, Schriftführer und Organisationsleiter dem Vereinsvorstand an. Selbst in hohem Alter besuchte er, wann immer es ihm möglich war, die Konzerte und Feste des Musikvereins. Dass sich der Musikverein im Jubeljahr 1992 so hervorragend präsentieren konnte, war nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit des damaligen Vorsitzenden Manfred Prediger und seines Stellvertreters Gerhard Ulrich zu verdanken, die über viele Jahre hinweg gemeinsam die Geschicke des Vereins leiteten.


Aus beruflichen Gründen legte Dirk Rupp im März 1993 den Dirigentenstab nieder und gliederte sich als Trompeter wieder in die Orchesterreihen ein. Die aus Geislautern stammende Klarinettistin und stellvertretende Dirigentin Doris Follmann wurde zur Dirigentin gewählt. Mit ihr übernahm zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Frau die Leitung des Orchesters. Neben dem Wechsel in der Orchesterleitung gab es 1993 auch Änderungen in der Vereinsführung. Nach 6-jähriger Tätigkeit als Vereinsvorsitzender kandidierte Manfred Prediger nicht mehr für das Amt des ersten Vorsitzenden. Sehr besonnen und mit diplomatischem Geschick hatte Manfred Prediger den Musikverein auch in schwierigen Tagen seiner Amtszeit geführt. Manfred Prediger blieb dem Vorstand als Pressewart erhalten.


Am 07.03.1993 wurde unser heutiger Vorsitzender Wilhelm Bohlender, der wie Walter König 1973 aus dem Musikverein Emmersweiler zu uns stieß, zum Vorsitzenden gewählt. Als langjähriges Vorstandsmitglied unter anderem in der Funktion des Kassierers hatte sich der Trompeter und spätere Tenorhornist für diese Führungsposition bestens qualifiziert. Besonderes Lob gebührt Willi Bohlender für seine hervorragend organisierten Vereinsfahrten. Auch wenn es gilt, in die Hände zu spucken und anzupacken, ist Willi Bohlender immer dabei. Er scheut keine Arbeit. Nach Peter Kühn und Jakob Seyler gehört unser Willi nun mit seiner fast 10jährigen Amtszeit zu den Männern, die unseren Verein am längsten führten. Zwei weitere aktive Musiker mit langjähriger Vorstandserfahrung wurden 1993 in den geschäftsführenden Vorstand gewählt, um verantwortungsvolle und arbeitsreiche Ämter zu übernehmen. Wolfgang Ulrich wurde 1. Kassierer und Gerhard Späth 1. Schriftführer. Die beiden leidenschaftlichen Tenorhornisten können im Jahre 2002 auf 38jährige aktive Orchesterzugehörigkeit zurückblicken.
Der am 11.02.1990 ernannte Ehrenpräsident des Musikvereins Peter Glock starb 1993 im Alter von 69 Jahren. Die nach dem Tod von Richard Krabiell, Albert Zimmer und Johann Lips verwaisten Ehrenämter wurden erst wieder 1994 verliehen. August Krabiell, damals als 65jähriger Bassist ältester Musiker im Orchester, wurde von der Generalversammlung zum Ehrenpräsidenten und Albert Müller zum Ehrendirigenten gewählt.


Doris Follmann legte im Mai 1994 aus beruflichen Gründen die Leitung des Orchesters nieder. Sie blieb als stellvertretende Dirigentin und Klarinettistin in den Reihen des Orchesters weiterhin aktiv und bildet heute unsere Jugend an der Klarinette aus. Markus Schulte trat die Nachfolge von Doris Follmann an. Mit dem neuen Dirigenten, ein gestandener Trompeter aus Dorf im Warndt, wandelte sich einiges im Orchester. So wurde 1994 erstmals eine Kompaktprobe als Vorbereitung auf das jährliche Abendkonzert durchgeführt. Die Musikerinnen und Musiker verbrachten ein anstrengendes Probenwochenende in der Jugendherberge in Weiskirchen. Diese auch heute noch jährlich durchgeführten Kompaktproben erwiesen sich sowohl musikalisch als auch kameradschaftlich als sehr wertvoll für das Orchester und den Verein. Im Jubiläumsjahr 2002 wird die Kompaktprobe wieder in Idar Oberstein abgehalten. Zu den musikalischen Höhepunkten zählte die Teilnahme am Wertungsspielen des BSM Musikkreises Saarbrücken im Jahr 1995. Erstmals seit 1979 stellte sich das Orchester wieder einer aus Musikprofis bestehenden Jury und belegte auf Anhieb einen 1. Platz mit Belobigung in der Mittelstufe. Im September 1995 wirkte der Musikverein in der Sendung "Singendes, klingendes Dreiländereck" des Saarländischen Rundfunks (SR 3) mit. Auch in den Folgejahren 1997 und 1999 führte Markus Schulte das Orchester zu den BSM-Wertungsspielen und erzielte in der Mittelstufe sehr gute Ergebnisse.


Im November 1996 musste der Musikverein den Verlust seines 67jährigen Ehrenpräsidenten und Bassisten August Krabiell hinnehmen. Nur wenige Tage nach einem großartigen Abendkonzert in der Warndtburg, an dem August Krabiell aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig nicht teilnehmen konnte, erschütterte die völlig unerwartete Nachricht vom Tod des allseits geschätzten Musikkameraden den Verein.

 

 

v.l.n.r.: Jakob Schmitt, Gerhard Ulrich, Willi Bohlender

In der Generalversammlung im Vereinslokal Hammerschmidt wurde Jakob Schmitt am 02.03.1997 zum Ehrenpräsidenten gewählt. Seit 1952 ist Jakob Schmitt Mitglied im Musikverein. Viele Jahre davon war er als Hauskassierer tätig. Daneben zeigte er großen persönlichen Einsatz in der Organisation des Kaffee- und Kuchenstandes an jährlichen Vereinsfesten. Unser Jakob besucht auch heute noch jede Vorstandssitzung und natürlich unsere Konzerte und Feste.


Das ganze Jahr 1997 stand im Zeichen unseres 95jährigen Vereinsjubiläums. Der Reigen der Festveranstaltungen begann am 19. und 20. April mit dem zweitägigen Jubiläumsfest in der Warndtburg und wurde fortgesetzt mit dem Sommerfest im Juli. Das Abendkonzert im November 1997 bildete den Abschluss eines ereignisreichen Jahres.

 

 

Die Orchesterstärke war mittlerweile von gut 56 Aktiven Anfang der 90er Jahre auf knapp unter 50 gesunken. Der Musikverein Großrosseln blieb von dem all gemein zu verzeichnenden Trend des zurückgehenden Vereinsinteresses nicht verschont. Nicht nur die Reihen des Orchesters wurden lichter. Die Zahl der Besucher an Konzerten und Vereinsveranstaltungen ging überall spürbar zurück. Die glückliche Fügung, dass im Laufe der Jahre immer wieder Musikerinnen und Musiker aus Nachbarorten, auch aus Frankreich, nach Großrosseln kamen, wirkte dem Aktivenschwund entgegen.


Daneben gelang es in dieser Zeit auch vermehrt Musikschüler, überwiegend Musikerkinder, für die Blasmusik zu gewinnen. Zur Ausbildung wurden semiprofessionelle und professionelle Musiklehrer von dies- und jenseits der Grenze herangezogen. Schüler aus Großrosseln besuchten die kommunale Musikschule in Petite-Rosselle. Die Qualität der aus der Vereinskasse geförderten Nachwuchsausbildung wurde auch durch die Zusammenarbeit mit dem Bund Saarländischer Musikvereine sichergestellt. Nachwuchsmusiker des Musikvereins nahmen an den BSM-Jungbläserlehrgängen teil und absolvierten erfolgreich die BSM-Prüfungen. So entwickelte sich das Blasorchester des Musikvereins Großrosseln Mitte der 90er Jahre zu einem der führenden Klangkörper im Raum Völklingen/Warndt.


Neben der Mitwirkung im Fest rund um den Landtag 1997 in Saarbrücken und in den Jubiläumsfeierlichkeiten "1000 Jahre Warndt" 1999 waren besonders die Teilnahme an den Kirchenkonzerten Großrosseln, die seit 1998 im 2jahres Rhythmus von den kulturtreibenden Vereinen des Ortsteiles Großrosseln durchgeführt werden, musikalische Highlights. Unter der Stabführung von Markus Schulte wurde im Jahr 2000 erstmals wieder eine Jugendwerbeveranstaltung in der Warndtburg durchgeführt, in der gleich sieben Kinder für unser Orchester gewonnen werden konnten.


Nach dem Abendkonzert Im November 2000 legte Markus Schulte nach fast 7-jähriger Dirigententätigkeit sein Amt nieder. Er blieb dem Orchester als Trompeter und Baritonrist erhalten und bildet weiter Nachwuchsmusiker aus.


Der stellvertretende Dirigent Dirk Rupp übernahm die Orchesterleitung. Am 17.11.2000 wurde er auf Vorschlag des Vorstandes von den Musikern nach fast 8-jähriger Abstinenz wieder als Dirigent gewählt. In den 8 Jahren zuvor war der seit 1980 im Musikverein aktive Trompeter nicht nur musikalisch tätig. Im Vorstand hatte er als 2. Schriftführer und Beisitzer mitgearbeitet und seine persönlichen Beziehung zum BSM-Kreisvorstand Saarbrücken, dem er seit 1991 als Kreisschatzmeister angehört, waren und sind für unseren Musikverein von großem Nutzen. Neben dem BSM-Kreiswertungsspiel, wo wir in der Mittelstufe das Prädikat "sehr gut" erhielten, war das Abendkonzert 2001 für unser Orchester und die Gäste ein besonderer Höhepunkt. Erstmals seit 1992 präsentierte sich wieder der Orchesternachwuchs im Abendkonzert. Nun wünschen wir uns, dass unser Dirigent Dirk Rupp uns solange musikalisch auf sicheren Bahnen führen wird wie es unser erster Dirigent von 1902 Johann Bohlander getan hatte.


Im September 2001 besuchten wir den Musikverein Grunern / Schwarzwald, der sein 175jähriges Bestehen feierte. Walter König hatte die Kontakte geknüpft und die Fahrt organisiert. Der Musikverein Grunern wird an unserem Jubiläumsfest im September 2002 in Großrosseln zu Gast sein.


Das Orchester hatte mit rund 90 Proben und Auftritten im Jahr 2001 ein anstrengendes Programm zu bewältigen. Vereinseigene Veranstaltungen wie Kirmes-, Oster- und Abendkonzerte, sowie Feste der Pfarrgemeinde, befreundeter Vereine und der Gemeinde Großrosseln sind feste Bestandteile im Auftrittskalender des Musikvereins. Neben den musikalischen Aktivitäten beteiligt sich der Musikverein auch an anderen Veranstaltungen. So konnte unser treffsicheres Team beim Kirmesschießen schon oft den Wanderpokal mit nach Hause nehmen.

 

 

 

Einige unserer gewonnenen Wanderpokale

1978 Fraufußballteam des Musikvereins

Dank kontinuierlicher Vereinsarbeit kann sich der Musikverein auch im Jubeljahr 2002 hervorragend präsentieren. Besonders erwähnt sei hier unser ehemaliger 2. Vorsitzender Gerhard Ulrich. Der Saxophonist aus dem Apfeltal war 43 Jahren als Musiker aktiv im Orchester. Seit 32 Jahren, davon 21 Jahre als stellvertretender Vorsitzender, war er auch fest in die Vereinsführung eingebunden, wo er vielfältige administrative und organisatorische Aufgaben übernommen hat. Wann immer es etwas zu organisieren galt oder zeitaufwendige Kleinarbeit zu leisten war, Gerhard Ulrich war sich nie zu schade dafür. Unvergessen sind seine aufwendigen Dekorationen für die jährlichen Abendkonzerte in der Warndtburg. Er hat viele Stunden mühevoller Recherche verbracht, um Details dieser Chronik zu erarbeiten und zu verifizieren. Auch die Dokumentation unserer Vereinsgeschichte mit Originaldokumenten, datierten Fotos, Abschriften, amtlichen Beglaubigungen und dem historisch nachvollziehbaren Beleg des Gründungsjahres 1902 zum Antrag für die Pro-Musica-Plakette wurde von ihm erstellt. Solche Vereinsmitglieder sind einfach unentbehrlich. Mit großem, persönlichem Einsatz führt unser heutiger Vorsitzender Wilhelm Bohlender seit 1993 den Musikverein auf sicheren Bahnen. Wir hoffen, dass auch in Zukunft der Geist der Kameradschaft und die musikalische Leistung des Orchesters im Vordergrund der Vereinsarbeit stehen werden.